Wie ich meinen Glauben verloren habe…

04Jan09

… weiß ich bis heute nicht. Es ist vielmehr so, dass es einfach eines Tages “Klick” machte und alles war weg. “Was bei den Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott” (siehe Jahreslosung 2009), diesen Satz habe ich schon so oft gehört, seine Auswirkungen gesehen und gespürt, ich wurde Zeuge von “Krankenheilungen”, davon, wie Menschen, die ich kenne, von Jetzt auf Gleich vom Alkoholismus freiwurden, hatte trancehafte Zustände, alles war so einfach, Jesus liebte mich und jeden einzelnen Menschen, dem ich begegnete. Die Bibel war wortwörtlich zu nehmen, wenn da steht, dass Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat, dann hat er das auch in sieben Tagen gemacht, ohne Wenn und Aber. Ich habe gepredigt, stand kurz vor einer “theologischen Ausbildung als Prediger”, wurde im Alter von 18 Jahren getauft, habe jede Nacht, bevor ich einschlief, für meine “zukünftige Ehefrau”, die ja sicher irgendwo auf diesem Planeten sein sollte, gebetet. Dass das “Kein Sex vor der Ehe”-Dogma doch nicht so toll ist, wie ich einst dachte, begriff ich, als ich dann tatsächlich eine Freundin hatte. Dabei war es doch so schön, zusammen in einem Bett zu schlafen und Geschlechtsorgane zu entdecken, ganz als gehöre man zusammen. Braucht man dafür ein Stück Papier? Ist das “Kein Sex vor der Ehe”-Dogma nicht eigentlich gelebter Sexismus, in dem es um den Marktwert der Frau als bürgerliche Reproduktionskraft geht? Muss denn immer alles von Gott bestimmt werden? Freier Wille, das war mir klar, das ist gar nicht so kompliziert, Gott weiß alles, aber trotzdem können wir uns jederzeit für oder gegen ihn entscheiden. Und was passiert dann? Ich saß in einer Predigt, in der der Prediger sagte, dass er geträumt hätte, dass Gott ihm die Hölle gezeigt hätte. Rein theologisch gesehen gibt es die doch eigentlich noch gar nicht. Oder? Musik, ich war immer einer der ersten gewesen, die die Hände gen Himmel reckten. “Prophetische Eindrücke und Bilder von Gott”, auch da war ich dabei. Ich fraß alles. Große Kongresse, Gemeindekonzepte aus Amerika, wie erreiche ich von der Kirche distanzierte Menschen? Alles war toll, die Menschen haben gelächelt. Man war mit allen perdu und verstand sich mit allen. Man hat gelernt, dass eigentlich jeder glaubt oder glauben will. Und dann? Dann war das weg. Beinahe so, als ob es nie dagewesen wäre.

Wenn es doch wenigstens so gewesen wäre, dass ich gewisse Bücher gelesen hätte, die mich “geistlich verunsichert hätten”, Pustekuchen. Diese Bücher begann ich erst umittelbar zu lesen, nachdem es “Klick” gemacht hatte. Man begann zu denken. Doch komplett loslassen wollte man nicht. Jesus und Gott und der tolle Apostel Paulus, schließlich war man mit denen aufgewachsen. Großgezogen worden. Also begann man, sich darauf vorzubereiten, jederzeit die Apologetische Keule zu schwingen, vorallem sich selber gegenüber. Mitchristen sagten, man sei “ja eher der philosophische Typ”, dabei fand ich Philosophie einfach nur interessant, nahm sie aber nie ernster als alle Romane die ich las. Die Apologetische Keule sorgte für Klarheit, man begann sich von allem zu lösen, konnte sich aber trotzdem noch Christ nennen. Es gibt nicht “DAS Christentum”, es gibt tausend verschiedene Christentümer, und alles ist nur Interpretation. Die Schöpfungsgesichte ist ein archaischer Mythos. Die Frau darf auch in der Versammlung sprechen, obwohl Paulus dagegen war. Alles in der Bibel spricht über uns, aber nicht alles zu uns. Obwohl alles “von Gott eingegeben ist”. Der Postmodernismus half. Befreiung von den Definitionen. Es ist eh alles nur Text.

Ich zog um, lernte neue Leute kennen, Mitchristen, die mir sagten, ich könne auch denken und gleichzeitig Christ sein. Sagte Jesus nicht, man solle werden wie die Kinder? Kinder verstehen nicht viel von Marx und Existenzphilosophie. Das wird denen hierzulande alles schon im Kindergarten ausgeredet. Kinder stellen alles in Frage, nur nicht, dass ihr Vater sie liebt – wenn der sie überhaupt liebt -, und das war ja genau das, was ich nicht mehr verstehen konnte. Wenn das, was für mich unmöglich war, für Gott möglich war, warum konnte er nicht einfach dafür sorgen, dass ich wieder so denken und fühlen konnte, wie früher? Als alles möglich war und ich Wunder sah und spürte? Unkenrufe von wegen Prüfung und dergleichen wurden laut. Die führten aber nur dazu, dass ich anfing, Gott pervers zu finden. Warum sollte ich nur ein Spielplatz sein, auf dem Er spielte, damit jeder sah, wie toll Er spielen konnte?

Weitere Bekanntschaften, einer noch “bibelfester” als ich es jemals war. Die Gespräche mit ihm – der ein ziemlich guter Freund von mir wurde, keine Ahnung, ob er das jetzt immer noch wäre – zeigten mir nur eins: Ich kann das nicht mehr. Ich will kein Spielplatz mehr sein. Kein Spiegel von “Gottes Herrlichkeit”, auf meine Kosten. Ich will von meiner Fähigkeit, zwischen “Gut” und “Böse” zu unterscheiden, die ich nur deswegen habe, weil Eva nach Zureden der Schlange einst in das Obst biss, Gebrauch machen. Auch wenn das wehtut, vorallem wenn ich Leute sehe, die noch genauso leben wie ich vor ein paar Jahren. Manchmal beneide ich sie. Sie brauchen nicht zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Das macht ihr Gott immer noch rund um die Uhr für sie.



Eine Antwort auf „Wie ich meinen Glauben verloren habe…“

  1. Lieber Mensch mit Deiner ehrlichen Aussage,
    was aber dein Glaube betrifft will ich Dir das mitteilen,
    der ich seit meinem 27-sten Lebensjahr, also 46 Jahre im Glaubensleben stehe.
    Dein natürlicher Glaube wie Du selber, hat Gott verschlossen unter den Unglauben,
    den Sünder und seinen Glauben. Römerbrief 11,32
    Kein natürlicher Mensch, noch seine von Gott abgefallene Religion, Kirche, Tempel,
    Gemeinde und Sekte hat den Alleinseligmachenden Glauben, noch haben sie das
    Alleinvertretungsrecht(Monopol) was den Glauben betrifft.
    Wenn Du alle diese Bibelstellen lesen tust und Gott um seine Leitung bittest,
    die über den wahren Glauben Dir Bescheid geben, dann wirst Du meine Aussagen
    verstehen und Gott recht geben.
    Der Glaube, von dem alle reden, ist ein teurer Glaube und eine Gabe Gottes,
    schreibt Petrus in seinem 2. Brief Kapitel 1,
    Dieser Glaube, ist aber auch eine Frucht des Heiligen Geistes in dem Menschen und Christen, der mit dem Heiligen Geist getauft wurde nach seiner Buße und Bekehrung
    zu Gott, gleich wie die ersten Jünger Jesu es erfahren haben. Galaterbrief 5,22
    Nichts hat der Mensch, was ihn mit Gott verbindet und vereinigt, es sei denn,
    dass der Mensch sich dem inneren Licht Gottes öffnet, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt hineingeboren werden. Johannes 1, 9-13
    Alle Menschen tragen “das von Gott” in ihrem Innern, doch weil es ihnen nicht bewusst ist und sie nicht darauf eingehen, verlieren sie alles was sie an Gott und dem Glauben zu IHM, haben.
    Alles hat wiederum der Mensch, wenn er auf dem Weg und die Tür, die Christus ist,
    Gott sucht und seine Theologie erfüllt, die Gottes Gerechtigkeit preisen tut, an allem, was Gott den Seinen zugesagt hat von Anfang der Welt und Menschen.
    Weitere Schriften von mir findest Du kostenlos unter:
    “Christentum-Religion-Theologie”
    “Peter Semenczuk”
    “Zu wem kommt Jesus Christus heute”?
    “Reich Gottes”
    Denke daran, es geht hierbei nicht um Äpfel und Birnen sondern, um Dein ewiges
    Leben und Deine verlorene geistige Würde und Identität, ein Sohn oder Tochter Gottes zu sein, darum sei bereit,Gott zu suchen und zu finden!
    Peter Semenczuk
    Autor und Herausgeber christlich-theologischer Publikationen im Internet und Selbstverlag: UMSONST, wie Christus seinen Jüngern geboten hat. Matth.10,8


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